Alltagsbetreuung in der Pflege-Wohneinrichtung des Max Brauer Hauses

Hier erzählen wir Ihnen Beispiele aus unserer Alltagsbegleitung. Einen guten Eindruck gibt Ihnen auch unser Imagefilm, den Sie hier finden.

Mitten im Leben: ein Besuch auf dem Wochenmarkt

Immer dienstags und freitags ist Wochenmarkt in der Bramfelder Herthastraße. Viele Bewohner/innen der Pflegewohneinrichtung des Max Brauer Hauses haben dort früher eingekauft, Bekannte getroffen oder einen Kaffee getrunken. Heute begleiten die Alltagsbetreuer/innen die Bewohner/innen zum Markt.

An diesem Freitag im November regnet es, aber das stört Herr K. nicht. Der „Barmbeker Jung“ lebt seit fast zwei Jahren im Max Brauer Haus. Wann immer es passt, ist er im Rollstuhl mit unterwegs zum Wochenmarktausflug. Mit Hilfe von Birte Sager, einer der Alltagsbetreuerinnen, steuert er zielgerichtet einen ausgewählten Käsestand an. „Hier habe ich meinen Lieblingskäse kennengelernt, einen Munster“, erzählt er. „Dank des Leckerbissens, den ich zusätzlich zum Essen im Max Brauer Haus nasche, konnte ich mein Gewicht um fast 1 kg steigern. Prima oder?“

Herr K. ist 93 Jahre alt, seine Beine wollen nicht mehr wie früher. Aber seiner großen Leidenschaft, dem Schachspielen, kann er immer noch nachgehen. Auch bei den Besuchen des Schachclub Farmsen im Max Brauer Haus. Er ist Clubmitglied und trainiert regelmäßig montags mit. „Wir spielen in der Hamburger Liga, da sind ebenbürtige Gegner für mich dabei“, lacht er.

Trotz des Schmuddelwetters ist der Wochenmarkt heute voll wie immer. Herr S. und Detlev Steinhorst, der als zweiter Alltagsbetreuer die 3-köpfige Gruppe begleitet, biegen gleich zum Pferdewurststand ab. Freundliche Gäste machen den überdachten Bereich frei und so beißen beide von oben geschützt in ihre Wurst. Ob die mit oder ohne Knoblauch am leckersten ist - das wird jetzt wortreich besprochen.

„Für unsere Bewohner/innen ist ein Wochenmarktbesuch etwas Besonderes“, erklären die Alltagsbetreuer/innen den Sinn der Aktivität. „In ihren Augen sehen wir, wie die Erinnerungen wiederkommen. Wir spüren, dass das bummeln ihre Sinne anregt, besonders visuell. Auch der Appetit steigt bei so viel frischem Obst und Gemüse um uns herum. Einige, wie Herr K., kaufen sogar eine Kleinigkeit.“

Wichtig ist auch der Weg zum Markt. „Wir gehen viele Straßen entlang, in denen die Bewohnerinnen und Bewohner früher gewohnt haben oder die in ihrer Nachbarschaft lagen. Wir haben schon die eine oder andere Geschichte dazu gehört und gemerkt, wie der Spaziergang die Erinnungen aktiviert.“

Insgesamt dauert der Ausflug zwei Stunden. Und auch wenn einige Bewohner/innen den Besuch nicht mehr lange erinnern können, ist es, so betont Detlev Steinhorst, „der Moment, der zählt“.

Der frische Duft von Kuchen: Die Backgruppe

Es ist Dienstagmorgen, 10.00 Uhr. Aus der Stationsküche  strömt der Duft von frischem Kuchen aus dem Backofen über den gesamten Wohnbereich und in die Zimmer. Alle wissen: Die Backgruppe war wieder am Werk. Und alle freuen sich, denn heute Nachmittag zum Kaffee werden sie mit dem selbstgemachtem Backwerk verwöhnt.

Helen Perschel, eine von fünf Alltagsbegleiterinnen und –begleitern im Max Brauer Haus, prüft gerade in der Wohnbereichsküche die Backzeit. Frau Perschel leitet die vierzehntägige Backgruppe. Sie war lange in der Hauswirtschaft des Hauses tätig und arbeitet nach einer Qualifizierung nun als Betreuerin. Ihr Faible für Ernährungsthemen hat sie sich bewahrt und so bindet sie sich alle zwei Wochen ihre auffällige Backschürze um und holt fünf bis acht Bewohner/innen zur Backgruppe ab.

Im „Raum der Beschäftigung“ hat sie vorher die Zutaten für den Kuchen des Tages bereitgestellt. Mal ist es Pflaumenkuchen, mal Erdbeertorte mit fruchtigem Tortenguss auf fertigen Tortenböden und mal, wie heute, Rührkuchen. Gemeinsam wird gewogen, gerührt, geschnitten und abgeschmeckt.

„Unsere Backgruppe steht allen 57 Bewohner/innen offen“, erläutert Andreas Kottsieper, Pflegedienstleiter im Max Brauer Haus. „Wir versuchen aber, besonders die Menschen mit demenziellen Veränderungen anzusprechen. Denn Gerüche rufen bei ihnen Erinnerungen hervor und regen die Sinne an. Außerdem stärken sie den Appetit. Viele Senior/innen kommen mangelernährt oder untergewichtig in eine Pflegeeinrichtung. Wer eine Demenz hat, schmeckt z.B. oft nicht mehr oder nimmt kein Hungergefühl wahr. Wir erstellen in der Pflege darum Ernährungspläne mit individuellem Kaloriengehalt. Aktionen wie die Backgruppe helfen uns dabei, die Ernährung zu stabilisieren.“

Helen Perschel berichtet aus der Gruppe: „Die Bewohnerinnen und Bewohner machen gerne bei uns mit. Auch wenn einige schnell nicht mehr wissen, was sie tun sollen oder worum es geht, ist die Stimmung oft lebhaft und fröhlich. Ehemalige Hausfrauen, die früher viel gebacken haben, erzählen über alte Rezepte und ihre Lieblingszutaten. Ich beobachte, dass das gemeinsame Tun hilft, an Erlebtes anzuknüpfen.“

Die Backgruppe ist nur eins der speziellen Angebote der Alltagsbetreuer/innen im Max Brauer Haus. Gemeinsame Besuche auf dem Wochenmarkt, eine Singgruppe, eine Gymnastikgruppe oder die Kreuzworträtsel-Stunde am Nachmittag sind andere Bausteine dieser zusätzlichen Betreuung nach § 87b. Andreas Kottsieper: „Wir möchten die Bewohner/innen aktivieren und in Beziehung mit ihren Mitbewohner/innen und den Mitarbeiter/innen bringen sowie den Tag strukturieren und auch am Leben Im Stadtteil teilnehmen. Unser Ziel ist es, auch in der letzten Lebensphase die Lebensqualität unserer Bewohner/innen zu erhalten und zu stärken.“

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