Mein zweiter Geburtstag

Diese Mail von Herrn G. erreichte uns im August 2017. Wir haben alle Namen zum Schutz der Personen entfernt.

Heute, am 7.8.2017 habe ich meinen zweiten Geburtstag, so möchte ich es mal nennen. Nun bin ich zwei Jahre trocken (mit qualifiziertem Entzug), denke so gut wie nie an Alkohol und bin glücklich von Jahren der Trockenheit zu sprechen und nicht mehr von Monaten. Klingt ein wenig übertrieben, aber mir tut es gut und macht mich stolz :-) Schlüsselreize (Trigger), wie sie Andere bestimmt auch kennen, habe ich gar nicht mehr.

Neulich war es dann so weit. Es hat jemand, der nichts von meiner Abstinenz wusste, eine Flasche Sekt mit zu mir gebracht. Der erste Alkohol seit fast zwei Jahren in meiner Wohnung. War ein komisches Gefühl. Gebe ich zu. Und ich musste auch über das Eine oder Andere nachdenken. Bin ich getriggert "Ja" oder "Nein"??? Gefallen hat es mir nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich habe es als eine kleine Prüfung für mich empfunden und habe nichts gesagt. Der Zeitpunkt würde mal kommen, dass wusste ich. Nun denn .......

Am nächsten Tag habe ich die Sache natürlich aufgeklärt und gemeint, dass sie doch bitte die leere Flasche wieder mitnehmen solle. Das war ihr sehr peinlich. Ich klärte sie auf, von wegen Prüfung für mich und dass das mal geschehen würde. "Alles guuut". Natürlich kam die Frage, wie das mit dem Küssen sei und ob mich das nicht störe mit einer Fahne. Da muss ich unumwunden gestehen, dass mich Küssen mit Fahne wohl anders triggert, als die Fahne selber ;-) 

Also damit kann ich leben. Anders ist es mit Gerüchen wie Schnaps oder Volltrunkene, wo ich die Fahne schon meterweit vorher rieche. Zu solchen Menschen halte ich einfach Abstand, fange auch kein Gespräch an und halte mich fern. Das stinkt für mich so, wie für Nichtraucher der Zigarettenqualm riechen muss, um mal einen Vergleich zu ziehen. 

Und noch was in eigener Sache: Ich habe ja nun schon des häufiger zusehen können, wie sich die Stadien von nüchtern zu betrunken bewegen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie der Alkohol zum Abbau der Verbalität und der Motorik führt. Ich fühle mich dann immer bestätigt, dass es besser ist nicht zu trinken. 

Ich drücke Allen die Daumen, die sich mit dem Thema Alkohol und sich selber auseinandersetzten und wünsche viel Erfolg. 

Heute werde ich mich selber feiern..... :-)

M.

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