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15.11.2018

Examinierte Pflegefachkraft im Max Brauer Haus: Christina Will

„Wir arbeiten täglich daran, wirklich gute Pflege hinzubekommen“

Frau Will, Sie sind ein „alter Hase“ in der Pflege und seit fast 33 Jahren im Max Brauer Haus. Wow! Wie kam das alles in Gang?

Meine Oma hatte eine Bootvermietung mit Kantine. Ich habe da leidenschaftlich gerne hinter dem Tresen gearbeitet und ihr in der Küche geholfen. Auch mein dreiwöchiges Schulpraktikum beim DRK war einfach nur klasse und danach wollte ich unbedingt im Pflegebereich arbeiten.

Ihre Ausbildung begann 1986. Wie lief die ab?

Ehrenamtlich! Es gab damals viele Interessierte aber fast keine Ausbildungsplätze in Hamburg. Ich habe dann über das Berufsbildungszentrum das Angebot gekriegt, im Max Brauer Haus anzufangen. Ohne Bezahlung wie gesagt. Ich wollte diesen Job aber unbedingt machen und konnte zum Glück bei „Hotel Mutti“ wohnen. Im dritten Lehrjahr habe ich dann genau 150 Mark von Vater Staat bekommen - das ist heute unvorstellbar! Das alles hat mir aber nichts ausgemacht, weil ich immer Spaß an der Arbeit hatte. Ja, und dann bin ich hier im Haus quasi festgewachsen.

Wie hat sich die Arbeit dann für Sie in den Jahren entwickelt?

Es hat Spaß gemacht, aber nach fünf Jahren hatte ich einen Hänger. Man verliert durch den Schichtdienst schon zum Teil sein soziales Umfeld. Kurzzeitig wollte ich wechseln, aber es hat nicht geklappt. Dann ging Jahr für Jahr ins Land. Ab 2012 mit meiner Weiterbildung zur Wundexpertin, die die Stiftung auch unterstützt hat, wurde es dann nochmal richtig interessant.

Was sind heute Ihre Aufgaben?

Wir sind hier vier examinierte Kräfte zeitgleich im Dienst für 57 Bewohner. Ich bin auf einem der zwei Wohnbereiche zuständig für die Planung der Pflege, organisiere, führe die Dokumentationen, schreibe Leistungsnachweise, telefoniere mit Ärzten und Angehörigen. Was ich noch alles aufzählen kann: Blutdruckmessung, Tablettenüberwachung, Patientenüberwachung, Visiten mit den Ärzten, Wunden versorgen, Notfälle und vieles mehr – das Aufgabenfeld ist groß. Eine Sache ist mir dabei ganz wichtig: Wir Pflegefachkräfte haben Verantwortung. Aber wir sind NICHTS ohne die Nicht-Examinierten, denn die sind unsere Augen und unsere Ohren. Wir sitzen größtenteils im Büro und müssen viel schreiben. Wir sind darauf angewiesen, dass wir Informationen direkt vom Bett des Bewohners bekommen. Ich schätze die Zusammenarbeit sehr!

Was machen Sie am liebsten von Ihren Tätigkeiten?

Die Arztvisiten. Das Sprachrohr der Bewohner zu sein steht für mich an allererster Stelle. Die Bewohner können oft nicht mitteilen, welche Bedürfnisse sie haben. Dann setze ich die durch.

Haben Sie engere Beziehungen zu Bewohnern?

Nein, das trenne ich. Emotional bin ich gar nicht auf Bewohner fixiert, immer nur auf der fachlichen Ebene. Klar bekommt jemand ein bisschen mehr Unterstützung wenn er die braucht. Aber man darf nicht vergessen, dass die Leute bis ins hohe Alter bei uns leben und irgendwann auch froh sind, zu gehen. An ein, zwei Bewohner, die sehr lange bei uns waren, drei, vier Jahre, und mit denen man jeden Tag Spaß gehabt hat, denken wir aber heute noch.

Wieso sind Sie dem Max Brauer Haus so lange treu geblieben?

Ich bin gerne mit Menschen zusammen, auch mit alten Menschen. Und ich bin hier einfach reingewachsen. Ich gehöre zu dem Laden dazu. Ich mag die Routine, das Bekannte.

Was ist das Besondere am Max Brauer Haus?

Wir sind hier eine sehr familiäre Einrichtung, wir sind sehr klein, wir kennen uns alle mit Namen. Wir haben nur zwei Stationen und die Verwaltung. Viele Kollegen arbeiten wie ich schon sehr lange hier, die meisten über 15 Jahre. Man kann hier über alles sprechen. Das finde ich wichtig. Und noch wichtiger: Wir arbeiten täglich daran, wirklich gute Pflege hinzubekommen.

Wie erleben Sie das Berufsbild heute?

Bei uns bewerben sich junge Leute, die sagen: Der Beruf hat einen schlechten Ruf, aber ich habe nichts anderes bekommen. Das macht mich echt traurig. Andererseits gibt es Auszubildende, die mit Herz und Verstand dabei sind. Davon konnten wir im Laufe der Jahre auch einige übernehmen. Denn insgesamt ist es schwer, gutes Fachpersonal zu bekommen.

Und was sagen Sie zu dem Image des Berufs?

Ich weiß nicht, was in Menschen vorgeht, die Altenpflege schlecht machen. Wir alle kommen genau an diesen Punkt, wo wir alt sind und Hilfe brauchen. Alle können froh sein, dass Menschen wie wir, die schon Jahrzehnten in der Pflege arbeiten, dann da sind und sie herzlich willkommen heißen.

Frau Will, was war Ihr Highlight bislang im Max Brauer Haus?

Ein Jahr nachdem ich ausgelernt hatte, kamen zwei Katzen zu uns. Puschi und Futzi hießen die. Sie stammten von den kleinen Bauernhöfen in der Nähe, wurden hier angefüttert und sind dann einfach durch die elektrischen Türen reinmarschiert. Die Bewohner fanden das super!! Viele hatten Haustiere gehabt – und waren nun auf einer Station mit Tieren - wie schön ist das denn?

Und wie tanken Sie auf?

In meiner Partnerschaft. Und bei meinem Hobby: Autofahren. Das ist mein A und O. Wir sind in unserem Urlaub Ende Juli drei Wochen quer durch Süddeutschland gefahren, bis nach Österreich. Wir haben dann in Nürnberg, München, überall angehalten, wozu wir Lust hatten... Also für mich kann mein Leben so weitergehen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Will, das wir im Oktober 2018 führten.