06.12.2017

Diplom-Sozialpädagoge in der Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe: Sascha Schwoy

"Ich mag den direkten Kontakt zu den Klientinnen."

Herr Schwoy, wie haben Sie vor sieben Jahren zur Stiftung gefunden?

Ich komme ursprünglich aus der kaufmännischen Ecke, habe aber auch Sozialarbeit studiert. 2009 wollte ich dann endgültig als Sozialarbeiter Fuß fassen, auch wenn mein Studium schon etwas zurücklag. Über eine Anzeige bin ich zur Stiftung gekommen. Über diese Chance habe ich mich gefreut, denn ich war mit 38 Jahren ein älterer Berufsanfänger – wenn auch mit Lebenserfahrung aus anderen Bereichen.

Wie war Ihr Start bei uns?

Ich bin gut reingekommen. Ich habe es so wahrgenommen, dass ich noch nicht so angestrengt war wie einige jüngere Kollegen, die gleich nach dem Studium anfangen hatten zu arbeiten und nach zehn Jahren durch die Belastungen unseres Berufs natürlich angestrengt waren. Bis heute nehme ich es auch so wahr, dass ein älterer Sozialarbeiter wie ich bei den Klientinnen ganz gut ankommt. Als Mann scheine ich es außerdem etwas leichter zu haben als meine weiblichen Kolleginnen, die mehr mit Übertragungen kämpfen müssen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Er ist geprägt durch spontanes Handeln! Ich gehöre zum Team der stationären Einrichtung im Elbschloss in Hamm. Wir haben 16 Plätze: zehn für junge Mütter mit Kindern oder Schwangere, sechs für einzelne Frauen mit psychischen Erkrankungen ohne Kind. Da sind viele Themen, Probleme und Krisen präsent und man muss oft schnell reagieren und gucken, wie das aufgefangen und bearbeitet werden kann. 

Sie bieten den Frauen aber auch eine feste Tagesstruktur an, richtig?

Ja, gerade für so junge Menschen ist eine Struktur wichtig. Und auch für die Kinder, die einen geregelten Tagesablauf brauchen. Einige unserer Klientinnen besuchen unser Schulprojekt in der Bürgerweide, für die ist es besonders wichtig, dass sie rechtzeitig aufstehen. Unser Arbeitstag startet mit einem Rundgang mit wecken, dann gibt es ein offenes gemeinsames Frühstück. Abends machen wir täglich einen Rundgang, um den Tag zum Abschluss zu bringen. Wir versichern uns, das alle im Haus und die Kinder gut versorgt, sprechen nochmal hier und da und gucken, dass alles ok ist.

Dann haben wir eine Mutter-Kind-Gruppe mit Gesprächen, Ausflügen oder gemeinsamen Aktivitäten wie backen. Für die psychisch kranken Frauen haben wir genauso ein Angebot 1 x die Woche, wo wir Freizeitaktivitäten machen aber auch Themen besprechen.

Am Freitag haben wir ein offenes gemeinsames Abendbrot für alle, das wird sehr gerne genutzt und wir lassen die Woche Revue passieren. Sonntags bieten wir auch nochmal Kaffee und Kuchen an. Das wird auch ganz gerne angenommen.

Wie sind Ihre Arbeitszeiten?

Wir haben morgens um 7.30 Uhr den frühen Dienst bis um 13.30 Uhr. Dann ist Übergabe und von 14 bis 20.30 Uhr ist Spätdienst. Danach kommen Kolleg/innen aus der Nachtbereitschaft. Wir selber müssen nachts nicht arbeiten. Wochenenddienst habe ich im Moment jedes dritte Wochenende. Dafür haben ich dann einen Tag in der Woche frei.

Wie sind Sie im Team aufgestellt?

Wir funktionieren miteinander sehr sehr gut. Unser Team ist sieben Personen stark, davon sind zwei Männer. Die Teamleitung ist 3 x die Woche vor Ort. Wir haben 1 x die Woche eine Dienstbesprechung, wo wir über alle Klient/innen sprechen. Unser Vorteil ist, dass wir sind sehr dicht an ihnen dran sind: Unsere Büros sind ganz nah an ihren Wohnungen und so kriegen wir sehr viel mit. Klar haben wir auch Supervision. Ganz wichtig sind für uns aber auch die informellen Treffen und Austausche z.B. in der Küche. Da kommen immer alle dazu. Wir merken auch untereinander, wo eine Kollegin oder ein Kollege am Rand ist und überdenken Hilfestellungen. Übrigens lachen wir auch viel zusammen, wir sind ganz schön witzig!

Was sind schwierige Situationen im Arbeitsalltag?

Am schwierigsten sind die Inobhutnahmen, wo meist gegen den Willen der jungen Mütter durch das Jugendamt entschieden wird, das Kind in staatliche Obhut  zu nehmen. Das ist tatsächlich für alle Seiten sehr belastend und hart. Selbstverletzendes Verhalten von Frauen und jungen Müttern ist auch oft heftig, wir müssen schnell und richtig reagieren und Krisen auffangen. Suizidale Gedanken kommen bei den Klientinnen auch vor.

Wie halten Sie diese Belastungen aus?

Ich glaube, man braucht einen gesunden Ausgleich in der Freizeit. Und den kriege ich ganz gut hin. Ich habe immer viel Fußball gespielt, bin viel unter Menschen und mit Freunden unterwegs, ich spreche über Belastungen etc. Auch in meinem Team kann ich viel besprechen.

Was für Fortbildungen bietet die Stiftung an?

Fortbildungen gibt es regelmäßig, zurzeit z.B. eine Reihe zum Thema Bindung, wo es neue fachliche Erkenntnisse gibt. Dann gibt es einzelne Themen wie sexuellen Missbrauch, die wir in Einzelveranstaltungen behandeln. Diese Themen können wir selbst benennen.

Gut fand ich, dass die Stiftung meine Mediationsausbildung durch Bildungsurlaub unterstützt hat. 

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Arbeitsalltag?

Ich mag den direkt Kontakt mit den Klientinnen, auch die Auseinandersetzungen und Konflikte. Meine Erfahrung ist, dass man dadurch eine gute Verbindung zueinander bekommt. Den ganzen Verwaltungsteil mag ich nicht ganz so gerne, komme aber gut damit zurecht, indem ich mir kleine Blöcke vornehme.

Was reizt Sie immer noch an Ihrem Beruf?

Ich finde es gut, mit Menschen zu tun zu haben, die sehr belastete Biografien haben und ich meine - auch wenn es mich selbst manchmal anstrengt – ich bin gut aufgestellt, um diesen Menschen Unterstützung geben zu können. Wenn das ankommt – und unsere Klientinnen geben immer ein äußerst direktes Feedback, sowohl negativ als auch positiv – ist das befriedigend. Impulse zu geben, die direkt oder zeitversetzt wirken, das ist eine Herausforderung. Insgesamt finde ich es einfach gut, daran mitzuwirken unsere Einrichtung zu einer Art von zu Hause zu machen für eine gewisse Zeit, Nestwärme zu geben, einen Zufluchtsort.

Sie sind der Stiftung seit sechs Jahren treu. Warum?

Mir macht die Arbeit Spaß. Ich bin ja später eingestiegen und ich fühle mich noch nicht ausgebrannt oder müde. Für mich ist auch wichtig, dass wir einen guten Tarifvertrag haben. Auch die gute Atmosphäre bei uns ist ganz viel wert. Ich habe Freiheiten – außerhalb meiner festen Bereitschaftsdienste zwei- bis dreimal die Woche bin ich zeitlich flexibel, das finde ich auch gut. Und auch das Image der Stiftung in der Szene ist gut. Nicht zuletzt, weil die Klientinnen positiv über uns sprechen.

Was raten Sie potentiellen neuen Kolleg/innen – warum sollte diese sich gerade in der Stiftung bewerben?

Der pragmatischste Grund ist die angenehme Bezahlung. Und man hat Freiheiten, was die Arbeitszeit angeht. Fachlich hat man sehr sehr vielfältige Problemfälle. Bei uns arbeitet man alles ab: psychische Erkrankungen, Traumatisierungen, Übergriffe in der Vergangenheit und und und. Gerade als Berufsanfänger/in ist man wahnsinnig gut aufgestellt, wenn man das ein paar Jahre macht. Diese Bandbreite ist schon eine Besonderheit an unserem speziellen Haus und eine Chance für jede/n Sozialarbeiter/in.

Herr Schwoy, zum Schluss die Frage: Was war Ihr Highlight in Ihrer Stiftungszeit?

In meiner ersten Zeit gab es eine Frau, die so selbstständig war, dass sie ausziehen konnte. Wir haben damals noch ambulant nachbetreut und ich habe mitbekommen, dass es am Anfang alles noch ein bisschen schwierig war in der eigenen Wohnung. Aber am Ende hat sich alles für die junge Frau sehr positiv entwickelt. Sie war vor einiger Zeit noch mal bei uns in der Einrichtung und hat Hallo gesagt. Sie sah gut aus, die Kleine ist in der Schule, sie hat eine Arbeit als Kassiererin. Das war im Nachhinein sehr schön zu sehen, dass unsere Arbeit zu dieser Entwicklung beigetragen hat.  

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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