06.12.2017

Bundesfreiwilliger im Fachkrankenhaus Hansenbarg: Nils Goldboom

"Durch die Gespräche mit Kollegen habe ich viele therapeutische Sichtweisen kennengelernt."

Herr Goldboom, vor einem Monat endete ihr Bundesfreiwilligendienst im Hansenbarg. Bitte blicken Sie auf das Jahr zurück. Wie sind Sie im Hansenbarg gelandet?

Ich suchte nach einer Möglichkeit mich in der Nähe meines Wohnortes mit der Thematik „Sucht“ auseinandersetzen zu können. Der Hansenbarg hat mich aufgrund seines interessanten und umfassenden Behandlungsangebotes und vor allem auch durch seine schöne Lage überzeugt. Ich wollte einfach mehr über die Suchtproblematik lernen, weil das ein Thema ist, das deutlich tiefer geht und es viel mehr darüber zu verstehen gibt, als man im ersten Augenblick glaubt.

Wieso sind Sie überhaupt im Bundesfreiwilligendienst aktiv? Arbeit für kein – oder nur wenig – Geld – was hat Sie daran gereizt?

Ich wollte mich nach meinem Studienabbruch beruflich neu orientieren, etwas über den abhängigen Menschen lernen und dabei erfahren, dass es im Leben auch anders laufen kann. Das ich dabei nur wenig Geld bekam war mir klar, doch es war für mich in der Zeit ausreichend.

Was genau waren Ihre Aufgaben?

Ich verbrachte viel Zeit damit, Patienten unserer Klinik zu Arztterminen zu fahren oder zu Behördengängen zu begleiten und dort zu unterstützen. Dabei habe ich viel über die Klienten und ihre Lebensgeschichten erfahren können. Außerdem habe ich viel Zeit mit den Kollegen der Haustechnik verbracht und sie bei Reparaturen und der Instandhaltung des Geländes unterstützt. Auch in der  Verwaltung habe ich im Laufe der Zeit verschiedene und wiederkehrende Aufgaben erledigt, es gab also immer was zu tun!

Hatten Sie Freude daran?

Natürlich gab es schöne und weniger schöne Aufgaben, das kann ich nicht leugnen, aber im Großen und Ganzen hatte ich viel Spaß bei meiner Arbeit dort – vor allem aber durch die netten Kollegen, mit denen man sich immer gut amüsieren konnte.

Was haben Sie am liebsten gemacht?

Am liebsten habe ich Patienten gefahren und sie zu Behördengängen begleitet, das war sowohl interessant als auch aufregend! Nach solchen Touren war es immer besonders spannend, mich mit Kollegen darüber auszutauschen, wobei ich immer das Gefühl hatte, dass meine Anliegen Verständnis gefunden haben. Durch solche Gespräche habe ich viele therapeutische Sichtweisen kennengelernt.

Wie hat die Belegschaft auf Sie reagiert? Wie die Patienten?

Die Belegschaft war von Anfang an freundlich und ich habe mich sehr Willkommen gefühlt. Unter den Patienten war ich am Anfang mehr so „der Neue“. Das hat dann etwas gedauert bis sich eine professionelle Distanz zwischen Mitarbeiter und Patient eingestellt hat. Aber auch das war letztendlich kein Problem und die Patienten waren auch an mir sehr interessiert.

Was war Ihr Highlight in diesem Jahr?

Mein Highlight war ein Patient, den ich häufig zu Behördengängen und sogar zu Wohnungsbesichtigungen begleitet habe. Stundenlang warteten wir zusammen zum Beispiel beim Arbeitsamt, um notwendige Unterlagen abzuholen. Nach seiner Therapie habe ich dann lange nichts von ihm gehört. Monate später, an einen meiner letzten Tage im Hansenbarg, sprach mich dann eine Ärztin an und erzählte mir, dass er wieder Fuß fassen konnte und sogar einen richtig guten Job hat. Das hat mich sehr gefreut, denn letzten Endes sind das die Früchte der getanen Arbeit!

Gab es auch schwierige Erlebnisse?

Ja, die gab es, aber nicht oft. Bei manchen Patienten, die sehr psychisch labil waren, wusste ich manchmal nicht, wie ich mich verhalten sollte. Allerdings bekommt man auch dafür mit der Zeit ein Gespür.

Welche Fähigkeiten und Talente sollte man für den Bundesfreiwilligendienst im Fachkrankenhaus Hansenbarg mitbringen? Welche entwickelt man neu?

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass man sich für den Menschen als solchen interessiert. Man sollte eine Menge Empathie mitbringen, um die jeweiligen Gefühlslagen der Menschen nachvollziehen zu können. Wichtig ist es auch, dass man eine gewisse Distanz wahren kann. Man bekommt im Laufe der Zeit viele belastende Geschichten zu hören und es ist ganz besonders wichtig, sich damit nicht weiter zu belasten. Ich habe das am besten geschafft, indem ich mit Kollegen darüber ausgetauscht habe, was mir ganz nebenbei auch geholfen hat, die Dinge besser zu verstehen.

Wie geht es für Sie nun beruflich weiter?

Momentan arbeite ich noch etwas und möchte Anfang nächsten Jahres für ein paar Monate verreisen. Anschließend plane ich, wenn alles klappt, Psychologie zu studieren.

Danke für das Interview, Herr Goldboom, das wir im September 2017 geführt haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute – sowohl beruflich als auch privat!

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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