06.12.2017

Sozialarbeiter in der TGJ: Matthias Gittel

"Durch die Abwechslung erlebe ich eine fordernde, aber erfüllende Tätigkeit."

Matthias Gittel, Einzel- und Gruppentherapeut

Herr Gittel, warum haben Sie sich 2010 für die Arbeit in der TGJ entschieden?

Mir bereitet die Arbeit mit Suchtkranken viel Freude und in der TGJ herrscht ein guter Kontakt unter den Kollegen, aber auch zu den Klienten. Dadurch sind „kurze Wege“ möglich, und wir können therapeutisch wie menschlich wirksam sein. So individuell unsere Klienten und deren Problemlagen sind, so groß sind auch unsere Handlungsspielräume. Die Arbeit bedeutet eine intensive Auseinandersetzung mit Personen und Biografien.

Sie arbeiten in der Vorsorge, d.h. mit Klienten am Anfang einer Entwöhnungsbehandlung. Was sind Ihre Aufgaben?

Neben der Bezugsbetreuung meiner Klienten übernehme ich die Moderation von Gesprächsgruppen, die Sozialberatung und das „Anwerben“ zukünftiger Bewohner. Unsere Klienten haben oft existenzielle Krisenzeiten durchlebt und können noch nicht darüber sprechen, was die meisten aber im Laufe des Aufenthalts lernen und so erfahren, wie hilfreich Gespräche sein können. Durch die Abwechslung erlebe ich auch nach sieben Jahren noch eine fordernde, aber erfüllende Tätigkeit.

Was prägt Ihre Zeit in der TGJ bislang?

Veränderung! Obwohl wir im Kern stabile Teams haben und die Rahmenbedingungen sich eher in Details ändern, sind die Auswirkungen oft recht umfassend. Wir reagieren kreativ, aber auch mit hohem Anspruch an unsere Arbeit und unser Angebot, das kann auch anstrengend sein. Durch die ausgeprägte Teamarbeit sind wir schon mit vielen Anforderungen fertig geworden.

Was motiviert Sie?

Hauptsächlich die Arbeit mit unseren Klienten. Auch wenn nicht Jeder oder Jede unsere Einrichtung „regulär“ verlässt und wir von schweren Rückschlägen erfahren, so ist doch die Vielfalt unserer Klienten ein Garant für eine abwechslungsreiche Tätigkeit. Ich freue mich besonders, wenn ehemalige Klienten den Weg zu uns finden – sei es als Wiederaufnahme oder einfach so zum Kaffeetrinken.

Seit 2014 sind Sie im Betriebsrat. Was hat Sie dazu bewogen und was sind Ihre Aufgaben?

Ich handle lieber statt passiv zu bleiben und mich hinterher zu ärgern. Durch den neuen Blickwinkel als Betriebsratsmitglied habe ich erfahren, wie wichtig es ist, die steigenden Anforderungen im Arbeitsleben nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Als Betriebsrat vertreten wir unsere Kolleginnen und Kollegen durch die Kontrolle der Einhaltung von Arbeitnehmerrechten, aber auch durch Moderation zwischen Kollegium und Stiftung.

Was bedeutet es für Sie, in einer Stiftung zu arbeiten?

Ich finde, das gibt mir einen großen Gestaltungsspielraum in meiner Arbeit. Natürlich merken auch wir, wie der wirtschaftliche Druck steigt. Dafür haben wir hier flexiblere Strukturen als eine Behörde – auch wenn das papierlose Büro noch Zukunftsmusik ist.

Danke für das Interview, lieber Herr Gittel, das wir 2017 führten.

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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