06.12.2017

Sozial- und Psychotherapeutin im Fachkrankenhaus Hansenbarg: Marion Wirz

"Hier begegne ich dem Leben in seiner Vielfalt."

Frau Wirz, Sie arbeiten seit 30 Jahren im Fachkrankenhaus Hansenbarg. Wie kamen Sie vier Jahre nach Eröffnung des Fachkrankenhauses ins Team?
Ich habe mich 1983 für diese Einrichtung entschieden, weil ich im Hansenbarg ein sehr aufgeschlossenes, freundliches, lebendiges und kreatives Team vorfand, in dem ich super gern arbeiten wollte. Das Haus bot ein bejahendes und positives Menschenbild, vieles formte sich erst, therapeutische Ideen waren zahlreich vorhanden und die Mitarbeiter arbeiteten berufsübergreifend daran, den Patientinnen und Patienten Hilfestellung und neue, gute Erfahrungen zu geben. Frisch von der Uni war ich mit meinen Ideen gern gesehen und erwünscht.

Ihnen gefiel auch die Lage?
Hier ist es ist traumhaft schön: großzügige Heideflächen, majestätische Wälder, hügelige Natur und großstadtgeprägte schmucke Dörflichkeiten mit hanseatischem Flair. Der Gebäudekomplex Hansenbarg mit seinem Herrenhaus ist wirklich stattlich. Weiteres Plus: Der Hansenbarg liegt in einem 46 Hektar großen Wald mit einem kleinen Flüßlein, der Aue. Über diese führen bei uns mehrere Brücken. Die Brücke als der Weg in ein „neues Leben“, das ist für die suchtkranken Menschen, die wir behandeln, ein wunderbares und hilfreiches Symbol.

Was sind Ihre Aufgaben?
Mein Haupttätigkeitsfeld sind die Einzel- und Gruppentherapien unserer Patienten. Der Hansenbarg hat immer großen Wert auf die regelmäßigen Einzeltherapien gelegt, um den Patienten einen festen Bezugspunkt zu bieten, wo er oder sie auch schwer auszusprechende Dinge besprechen kann. Ab 1992 habe ich die Kinderseminare am Hansenbarg eingeführt und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen ein Konzept für dreitägige Seminare entwickelt und auf Tagungen gern an interessierte Fachstellen weitergegeben.

Womit beschäftigen Sie sich im Moment besonders?
Seit einigen Jahren befasse ich mich mit der  Thematik Trauma, Traumafolgestörungen, einfache und komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen und EMDR als Behandlungsmethode, mit den dementsprechenden Fortbildungen und Supervisionen. So bieten wir gut fundierte Arbeit auch mit den traumatisierten Patienten und Patientinnen an.

Die Arbeit mit Frauen liegt Ihnen besonders am Herzen?
Die Therapie mit suchtkranken Frauen war bei uns immer ein wichtiges Thema. Bereits in den 80er Jahren hatten wir eine „gruppenübergreifende“ Frauengruppe. Heute hat die Frauengruppe einen eigenen Wohntrakt, alle Frauen haben Einzelzimmer und die Gruppe ist mit zwei Therapeutinnen besetzt.

Nicht zuletzt waren Sie sehr aktiv bei der Hauszeitung?
Der Hansenbargkurier, eine Hauszeitung von Patienten für Patienten, war meine Zusatzaufgabe, die nun nach über 30 Jahren aufgrund der Arbeitsverdichtung nicht mehr aufrecht zu erhalten ist – leider.

Was prägte ihre Zeit bislang?
Ich erlebe immer neue Herausforderungen – die halten jung. Und eine große Freude und Dankbarkeit, dass ich suchtkranken, schwer leidenden Menschen Hilfe geben kann, dass ich immer wieder neu erleben darf, wie Menschen, die die Sucht hinter sich lassen können, ins Leben zurück kehren und ihre wirkliche Kräfte und Potentiale entwickeln, wie sie sich innerlich und äußerlich entfalten. Mein Blickwinkel ist dabei bewusst positiv. Menschen, die es nicht beim ersten Mal schaffen, dürfen nicht verzweifeln, sie müssen an sich glauben können, um den nächsten Anlauf nehmen zu können.

Arbeiten Sie gerne im Hansenbarg?
Ja, denn hier begegne ich dem Leben in seiner Vielfalt und bin ganz nah dabei. Außerdem besitze ich eine große Portion Optimismus und auch Zuversicht, unsere Patientinnen und Patienten haben oftmals solche Lebensanker verloren. Ich freue mich, wenn Patienten sagen: „Sonntagabend komme ich wieder nach Haus“, und damit meinen, dass sie nach einem Wochenendausgang zum Hansenbarg zurückkommen . Dann weiß ich: Hier ist nun ein Grundstein gelegt, die Bindung ist hergestellt, eine gute Entwicklung kann in Gang kommen.

Was bedeutet Ihnen die Arbeit in einer Stiftung?
In einer Stiftung, also einer Hilfeeinrichtung gemeinnütziger Art, zu arbeiten, bedeutet für mich etwas sehr Schönes. Die Alida Schmidt Stiftung ist eine Institution und  bietet so umfangreiche Hilfen in verschiedenen Bereichen  in Hamburg und eben bei uns an, dass ich mich freue, Mitarbeiterin dieser Stiftung zu sein.  Sie ist gewertschätzt und eine im positiven Sinne „gediegene“ Einrichtung.

Das Interview entstand 2013 für die Jubiläumsbroschüre der Alida Schmidt-Stiftung und gilt lt. Frau Wirz auch 2017/18 immer noch.

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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