06.12.2017

Haustechniker und Arbeitstherapeut im Fachkrankenhaus Hansenbarg: Iwer Krökel

"Im Laufe der Therapie den Wandel der Klienten zu begleiten - das gefällt mir."

Herr Krökel, Sie arbeiten seit zehn Jahren im Hansenbarg. Wie haben Sie hierher gefunden?
Ich habe seit 30 Jahren Erfahrung mit Sucht, denn bin selbst trockener Alkoholiker. Im Rahmen meiner Berufsfindung nach meiner Trinkzeit hatte ich aus beruflichen Gründen Kontakt zum Hansenbarg – und bin hier geblieben.

Mögen Sie über Ihre eigene Alkoholerkrankung berichten?
Ja, klar. Ich habe 14 Jahre intensiv getrunken, auch illegale Drogen konsumiert. Nach einer Therapie in Plön bin ich dann trocken, nunmehr seit fast 17 Jahren, in den Arbeitsalltag des Technikers gegangen. Ich brachte ein abgeschlossenes Maschinenbautechnikerstudium mit, eine Ausbildung zum Schlosser – betriebsintern eine Schweißerausbildung, dann war ich auch mal Pfleger im Zivildienst und nicht zuletzt habe ich drei Semester Anlagenbetriebstechnik studiert, was ich aber aufgrund der Sucht abbrechen musste. Meine Ausbildung, das Studium, das war alles während meiner Trinkzeit. Dann ging es einfach nicht mehr. Ich wog 110 kg, ich war sehr angeschlagen, es hieß: Zwei Jahre noch und dann sind sie tot. Dann kam die erwähnte Therapie. 

Die Abstinenz gefiel mir, ich bin also als Techniker wieder in den Beruf eingestiegen. In der Firma war ich drei Jahre. Aber große Auftragsabschlüsse wurden immer mit Wodka begossen. Ich habe zwar drei, vier Mal abgelehnt, aber es war klar, dass das langfristig nicht für mich passt.

Aus der folgenden Arbeitslosigkeit heraus bin ich als Ein-Euro-Jobber in den Hansenbarg gekommen. Im Gespräch mit unserem Verwaltungsleiter habe ich erwähnt, dass ich trockener Alkoholiker bin und diese Offenheit kam offensichtlich gut an. Nach dem Ein-Euro-Job wurde ich dann nach einer weiteren Zeit der Arbeitslosigkeit in die Hansenbarg-Haustechnik übernommen. Dann wurde wohl der Chef auf mich aufmerksam und kurz danach ging es dann weiter: Ich wurde in Freiburg zum Arbeitstherapeuten weitergebildet. Für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar, denn der Kontakt mit den Patienten macht mir viel Spaß.

Danke für Ihre Offenheit. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag heute aus?
15 Stunden in der Woche  bin ich in der Arbeitstherapie und den Rest meines Vollzeitjobs in der Haustechnik.

Was macht ein Arbeitstherapeut?
Ich bin verantwortlicher Arbeitstherapeut für eine Gruppe, in der Regel sind das 10 bis 14 Patienten. Ich nehme sie auf und frage im Gespräch ab, wie arbeitsfähig der Patient ist, welche Berufsperspektiven vorhanden sind. Ich beobachte auch Auffälligkeiten in der Interaktion, der Kontakt- und Konfliktfähigkeit. Ich arbeite da ganz eng mit einer Psychotherapeutin zusammen.
Im weiteren Verlauf wird der Klient in der Arbeitstherapie eingesetzt. Wir haben hier im Haus verschiedene Bereiche: die Wäscherei, die Haustechnik, den Garten mit Gewächshaus, die Fahrradwerkstatt, die Cafeteria und die Forstwirtschaft. Das sind Funktionsbereiche, wo die Hilfe des Klienten für uns wichtig ist und sie uns sinnvoll tatkräftig unterstützen. Gleichzeitig ist das eine Belastungserprobung.
Als Arbeitstherapeut nehme ich eine enge Beziehung auf. Das fällt mir sehr leicht, denn ich kenne den Umgangston der Klienten, spreche ihre Sprache. Es entsteht angemessene Nähe, aber auch Respekt.

Daneben sind Sie in der Haustechnik tätig. Was sind da Ihre Aufgaben?
Schwerpunkt ist die Pflege unserer großen Anlage und der Freizeitflächen. Da muss die Optik passen und wir haben richtig viel zu tun, um alles in Schuss zu halten, von Laub harken über Rasen mähen bis hin zu kleinen und größeren Reparaturen.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Job?
Die Zusammenarbeit mit den Klienten, die positiven und negativen Auffälligkeiten zu erleben und zu besprechen und im Laufe der Therapie den Wandel zu begleiten.

Was sind schwierige Situationen?
Wenn der Klient rückfällig wird – das macht mich traurig. Der Hansenbarg ist eine Chance und wenn jemand hier gehen muss wegen eines Rückfalls, dann finde ich das immer sehr schade und es beschäftigt mich schon. Abgrenzung fällt mir an der Stelle sehr schwer.

Arbeiten Sie gerne hier?
Ich für mich finde: Das Klima hat sich verändert. Rückmeldung und Anerkennung erlebe ich nicht mehr wie früher. Ausschlaggebend dafür sind aus meiner Sicht die Anforderungen des Rentenversicherers, die den Führungskräften dafür wenig Zeit lassen. Gerade hatte ich aber ein ausführliches Gespräch mit dem Chefarzt über diese Frage und fand es gut, dass er sich dafür Zeit genommen hat.

Was bedeutet Ihnen die Alida Schmidt-Stiftung?
Eigentlich arbeite ich im Hansenbarg, die Stiftung ist mir nicht so nah. Aber nach dem Stiftungstag für die Mitarbeiter habe ich mich verbundener gefühlt, weil ich erfahren habe, wie sehr die Stiftung Bedürftigen hilft.

Das Interview führten wir 2017.

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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