06.12.2017

Alltagsbetreuerin im Max Brauer Haus: Birte Sager

"Hier kann ich meine Persönlichkeit stark einbringen."

 Frau Sager, Sie sind als Alltagsbetreuerin in der Pflegewohneinrichtung des Max Brauer Hauses in Bramfeld tätig. Wie verlief Ihr Weg in die Stiftung?

Ich bin seit 1991, also schon über 25 Jahren im Max Brauer Haus! Mein erlernter Beruf ist eigentlich Köchin, aber das füllte mich nicht aus. Nach einer Familienphase begann ich als Helferin meine Berufslaufbahn in der Pflege. Medizin war mein Steckenpferd und den Umgang mit Menschen habe ich in meiner Großfamilie gelernt. Das Max Brauer Haus ermöglichte mir dann die berufsgleitende Ausbildung zur Altenpflegerin. Erst arbeitete ich 30 danach Stunden als Nachtwache. Dann wechselte ich aber in den Tagdienst, weil ich die Dokumentationsanforderung des MdK gerne mitbekommen wollte. Es hat mich gereizt, da mehr zu lernen. Dann wurde ich auch noch Qualitätsbeauftragte und bekam vom Max Brauer Haus dafür eine Qualifizierung bezahlt.

Wieso sind Sie dann in den Bereich der Alltagsbetreuung gewechselt?

Nach mehreren schweren Erkrankungen konnte ich die oft körperlich anstrengenden Arbeiten in der Pflege nicht mehr ausführen. Da eine Kollegin ausschied wurde die Stelle als Alltagsbegleiterin frei. So konnte ich im Max Brauer Haus bleiben und gleichzeitig meine Erfahrungen aus der Pflege einbringen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag heute aus?

Ich arbeite im Früh- und Spätdienst auf dem Pflegewohnbereich. Die Alltagsgestaltung der überwiegend dementen Bewohner richtet sich nach Vorlieben, biographischen Daten und Fähigkeiten. Oft sind wir jedoch auch „ Kummerkasten“. Wir bieten Gruppen- und Einzelaktivitäten an, dazu gehören auch Backen und Gartenarbeit. Sie sind ein Team mit fünf Kolleg/innen in der Alltagsbetreuung – wie funktionieren Sie zusammen? Wir gestalten unseren Dienstplan gemeinsam und berücksichtigen hierbei immer die Vielzahl an Aktivitäten. Alle Kollegen verfügen über Zusatzqualifikationen. Sie können ihre Fähigkeiten in selbst organisierten Gruppen und Einzelangeboten einsetzen.

Sie alle arbeiten mit Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Was sind schwierige Situationen im Arbeitsalltag?

Wenn Menschen nicht mehr auf ihre erworbenen Fähigkeiten zurückgreifen können und sich dessen bewusst werden sind sie traurig und verzweifelt. Dann zu trösten ist nicht leicht aber möglich.

Wie gehen sie mit diesen Belastungen um?

Ich verarbeite vieles mit Humor und versuche, auch andere zum Lachen zu bringen. Außerdem gehe ich nach Feierabend in meinen Schrebergarten und arbeite an der frischen Luft.

Andererseits: Warum ist es toll, diese Arbeit zu machen?

Ich verbinde Arbeit mit Hobby. So haben wir jetzt ein Kräuterbeet, aus dem wir ab November Düfte zaubern wollen. Von den Bewohnern bekomme ich aus reichen Erfahrungen Tipps und Anregungen. Gemeinsam probieren wir etwas aus.

Was ist das Besondere an der Arbeit im Max Brauer Haus? Würden Sie Berufskolleg/innen raten, hier anzufangen?

Bramfeld ist ein Dorf. Jeder kennt jeden. Alle Bramfelder kennen auch das Max Brauer Haus. Und die allermeisten wollen hier alt werden. Das ist eine sehr schöne Grundvoraussetzung für die Arbeit hier. Die Atmosphäre in der stationären Pflege ist durch Fachlichkeit geprägt. In meinem Team sind wir auch für Frohsinn zuständig. Man darf hier keine Mimose sein. Der Beruf ist so hart, da darf man nicht auch noch selbst Zuwendung fordern… Untereinander stärken wir uns aber. Wertschätzung benötigen und erhalten wir oft.

Sie selbst sind der Stiftung über 25 Jahre treu geblieben. Warum?

Hier kann ich meine Persönlichkeit stark einbringen und werde für meine Hilfsbereitschaft geschätzt.

Frau Sager, zum Schluss die Frage: Was war Ihr bisheriges Highlight in Ihrer Zeit im Max Brauer Haus?

Unsere Feier zum 40jährigen Jubiläum und die Anschaffung einer Popcornmaschine *lacht*.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Sager (Oktober 2017).

 

 

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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