28.03.2019

Haustechniker und Arbeitstherapeut im Fachkrankenhaus Hansenbarg: Iwer Krökel

"Im Laufe der Therapie den Wandel der Klienten zu begleiten - das gefällt mir."

Herr Krökel, Sie arbeiten seit zwölf Jahren im Hansenbarg. Wie haben Sie hierher gefunden?
Ich habe seit 30 Jahren Erfahrung mit Sucht, denn bin selbst trockener Alkoholiker. Später hatte ich aus beruflichen Gründen Kontakt zum Hansenbarg – und bin hier geblieben.

Mögen Sie über Ihre eigene Alkoholerkrankung berichten?
Ja, klar. Ich habe 14 Jahre intensiv getrunken, auch illegale Drogen konsumiert. Nach einer Therapie in Plön bin ich dann trocken, nunmehr seit fast 19 Jahren, in den Arbeitsalltag des Technikers gegangen. Ich brachte ein abgeschlossenes Maschinenbautechnikerstudium mit, eine Ausbildung zum Schlosser, betriebsintern eine Schweißerausbildung, dann war ich auch mal Pfleger im Zivildienst und nicht zuletzt habe ich drei Semester Anlagenbetriebstechnik studiert, was ich aber aufgrund der Sucht abbrechen musste. Meine Ausbildung, das Studium, das war alles während meiner Trinkzeit. Dann ging es einfach nicht mehr. Ich wog 110 kg, ich war sehr angeschlagen, es hieß: Zwei Jahre noch und dann sind sie tot. Dann kam die erwähnte Therapie. 

Die Abstinenz gefiel mir, ich bin also als Techniker wieder in den Beruf eingestiegen. In der Firma war ich drei Jahre. Aber große Auftragsabschlüsse wurden immer mit Wodka begossen. Ich habe zwar drei, vier Mal abgelehnt, aber es war klar, dass das langfristig nicht für mich passt.

Aus der folgenden Arbeitslosigkeit heraus bin ich als Ein-Euro-Jobber in den Hansenbarg gekommen. Meine Offenheit – ich erwähnte, dass ich trockener Alkoholiker bin – kam gut an. Mit zeitlichem Abstand wurde ich in die Hansenbarg-Haustechnik übernommen. Dann bekam ich die Möglichkeit, mich in Freiburg zum Arbeitstherapeuten weiterbilden zu lassen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn der Kontakt mit den Patienten macht mir viel Spaß.

Danke für Ihre Offenheit. Was macht ein Arbeitstherapeut?
Ich bin verantwortlich für eineinhalb Gruppen. In der Regel sind das bis zu 20 Patientinnen und Patienten. Ich nehme sie auf und frage im Gespräch ab, wie arbeitsfähig sie sind, welche Berufsperspektiven vorhanden sind. Ich beobachte auch Auffälligkeiten in der Interaktion, der Kontakt- und Konfliktfähigkeit. Ich arbeite da ganz eng mit drei Psychotherapeutinnen und therapeuten zusammen.
Ich leite die Arbeitstherapie in der Haustechnik an und vertretungsweise zurzeit auch in der Forstwirtschaft. Dabei kommt mir zugute, dass ich selbst hier als Haustechniker gearbeitet habe. Ich kenne die Abläufe, die Kollegen und die Maschinen.
Als Arbeitstherapeut nehme ich eine enge Beziehung auf. Das fällt mir sehr leicht, denn ich kenne den Umgangston der Klienten, spreche ihre Sprache. Es entsteht angemessene Nähe, aber auch Respekt.

Sie sind auch zuständig für die Praktikumsprojekte?
Ich wohne hier in der Gegend und werde oft auf meine Arbeit angesprochen. So habe ich gute Kontakte auch zu Geschäftsinhabern. Gespräche über potentielle Praktikumsplätze laufen dann auch öfter mal bei meinem eigenen Wochenendeinkauf oder beim Fußball. In den letzten eineinhalb Jahren konnte ich so 66 Praktika akquirieren. Unsere treuesten Praktikumsgeber sind der Bauhof, die Apotheke und der ansässige Supermarkt. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankschön! Natürlich begleite ich die Patienten aus meinen Gruppen auch in und durch die Praktikumszeit, denn diese ist oft mit Unsicherheit verbunden, bei der wir unterstützen.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Job?
Die Zusammenarbeit mit den Klienten, die positiven und negativen Auffälligkeiten zu erleben und zu besprechen und im Laufe der Therapie den Wandel zu begleiten.

Was sind schwierige Situationen?
Wenn der Klient rückfällig wird – das macht mich traurig. Der Hansenbarg ist eine Chance und wenn jemand hier gehen muss wegen eines Rückfalls, dann finde ich das immer sehr schade und es beschäftigt mich schon. Abgrenzung fällt mir an der Stelle sehr schwer.

Arbeiten Sie gerne hier?
Manchmal haben die Führungskräfte wegen der hohen Anforderungen zu wenig Zeit für Rückmeldung und Anerkennung – das war früher anders. Aber: Ich habe tolle therapeutische Kolleginnen und Kollegen, mit denen das Teamwork sehr gut läuft und von denen ich Wertschätzung für meine Arbeit erhalten. Das bedeutet mir viel.

Das Interview führten wir im März 2019.

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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