11.06.2020

Hausmeister in der Seniorenwohnanlage der Wilhelm Carstens Gedächtnis-Stiftung: Matthias Nissen

„Hausmeister ist mein Traumberuf!“

Herr Nissen, vor 3,5 Jahren haben Sie bei der Stiftung angefangen und in der Hauszeitung geschrieben: Ich habe meinen Traumjob gefunden! Ist das immer noch so?

Ja! Meine Erwartungen haben sich voll bestätigt. Ich kann durch meine Arbeit älteren Menschen helfen. Sie freuen sich und sind dankbar, auch für Kleinigkeiten. Gerade habe ich einen Spülkasten repariert. Monatelang ging die Spartaste nicht. Es hat nur Minuten gedauert, das hinzukriegen. Die Freude bei dem Senior war riesig – sowas ist einfach toll. Und auch das Arbeitsklima im Team ist sehr gut, das ist mir viel wert.

Wie haben Sie damals zur Stiftung gefunden?

Ich war 27 Jahre Gas- und Wasserinstallateur, landläufig Klempner genannt. Ich hatte immer viel mit Hausmeistern zu tun: in Schulen, in sozialen Einrichtungen, wo wir gearbeitet haben. Ich habe sie beobachtet und gesehen: Man kann mit der Arbeit Menschen helfen. Das fand ich toll. Und wie der Zufall so spielt war der ehemalige Hausmeister dieser Anlage mein Nachbar im Schrebergarten. Als er in Rente gegangen ist habe ich mich beworben und wurde sofort genommen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Auf dem Weg zu meinem Büro gehe ich jeden Morgen erstmal durch die Keller, checke ob alle Lichter okay sind und solche Dinge. Dann schaue ich in meinen Terminkalender: Was kommen heute für Firmen? Es folgt mein Rundgang durch die Anlage. Dabei werde ich oft von Mietern angesprochen: Der Fahrstuhl geht nicht, das Treppenhauslicht ist kaputt, bei mir ist die Glühbirne durchgebrannt…. Wenn man draußen ist bekommt man schnell viele Aufgaben *lacht. Für die Gespräche mit den Mietern muss man sich ein bisschen Zeit nehmen. Man darf die Leute nicht abspeisen. Für Menschen im Seniorenalter ist das ganz wichtig!

Ich mache kleine Reparaturen in den Wohnungen – ein Heizungsventil klemmt, ein Heizkörper wird nicht heiß, ein Licht geht nicht. Weil ich Klempner bin repariere ich auch Spülkästen, baue neue Wasserhähne ein, kümmere mich um Verstopfungen. Wenn größere Sachen anliegen beauftrage ich Handwerksfirmen. Die weise ich ein und gebe Schlüssel aus. Und natürlich kontrolliere ich auch deren Arbeit.

Täglich kontrolliere ich auch die Müllplätze und die ganze Grünanlage. Egal ob Unrat herumliegt, ob Laub entfernt werden muss was die Gartenfirma nicht gemacht hat, ob trotz Winterdienst noch gestreut werden muss – ich packe auch selbst mit an. Und unser Hausmeisterhelfer, der täglich für 2 Stunden kommt, schafft auch viel davon weg.

Ziehen Mieter aus mache ich die Vorabnahme der Wohnungen und später die Abnahme der Renovierungsarbeiten, noch später dann die Übergaben an die neuen Mieter.

Weitere Aufgaben sind die Hilfe bei Veranstaltungen. Ich stelle Tische mit auf, decke ein, koche mit Kaffee, helfe beim Flohmarkt und Grillfest. Da ist unser Team sehr eingespielt.

Die Stiftung hat auch einen Handwerkerdienst mit drei Kollegen. Der Maler unter ihnen, Herr Selch, streicht unsere Wohnungen vor der Übergabe. Die beiden anderen kommen, wenn größere Sachen anliegen wie z.B. Gehwegplatten austauschen.

Jeden Tag vor Feierabend treffe ich mich mit meiner Chefin, dann besprechen wir den nächsten Tag. Termine, Aufgaben. Wir sind ein Team aus drei Personen und unterstützen uns untereinander.

Am Wochenende arbeite ich nur in Notfällen. Die Fahrstuhlfirma ruft mich an, wenn jemand aus dem Fahrstuhl befreit werden muss. Und auch die Polizei ruft mich nachts an wenn Türen geöffnet werden müssen weil z.B. ein Einbruch vorliegt.

Also zusammengefasst: Es kommt keine Langeweile auf. Und es macht mir viel Spaß!

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Arbeitsalltag?

Den Umgang mit den älteren Menschen, die Gespräche. Dass ich rausgehe, nicht nur im Büro sitze. Das ich mir alles selbst einteilen kann, mir Arbeit auch suchen kann. Ich bin nicht isoliert, ich bin den ganzen Tag unterwegs.

Was sind schwierige Situationen im Arbeitsalltag?

Manchmal kommt alles auf einmal. Ein Wasserrohrbruch, ein Fahrstuhl geht nicht, zwischendurch Telefonate wegen Kleinigkeiten – dann wird es stressig und man muss einen kühlen Kopf bewahren.

Was war Ihr Highlight in Ihrer Stiftungszeit?

Der Fliegerbombenalarm im letzten Jahr. Wir mussten die ganze Anlage räumen, alle Mieter mussten raus und wurden in der Schule betreut. Es gab heiße Würstchen und Süßigkeiten. Nach der Entschärfung mussten alle in die Wohnungen zurück. Alles hat damals wunderbar geklappt, die Organisation von DRK und Polizei war sehr gut. Auch der Umbau von zwei Wohnhäusern war ein Highlight. Ich mag aber auch unsere jährlichen großen Flohmärkte mit Musik und Grillen.

Was bietet die Stiftung als Arbeitgeberin Ihnen?

Einen guten Tarifvertrag, regelmäßige Erhöhung alle paar Jahre, Weihnachtsgeld, Leistungsbezogenes Zulage. Auch fachlich ist es anderes als in anderen Firma. Viele Hausmeister machen dort überwiegend Büroarbeiten und bestellen für Reparaturen Firmen, reden aber nur sehr selten mit den Mietern. Ich mache hier vieles selbst, mache meine eigenen Termine, bestelle mein Material, organisiere alles selbst – ich bin hier mein eigener Herr.

Dieses Gespräch führten wir Anfang Mai 2020.

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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