17.02.2020

Fahrradmechaniker bei Zukunft Arbeit: Thilo Meyer

„Wenn mir alles zu viel wird, muss ich mich rausziehen können – das ist hier möglich.“

Thilo Meyer ist 32 Jahre jung und arbeitet seit fast zwei Jahren bei „Pedalkraft“, einem sozialen Fahrradladen von Zukunft Arbeit, einer Tochtergesellschaft der Alida Schmidt-Stiftung. Alle drei Radläden der gGmbH sind Integrationsbetriebe. 50 Prozent der Arbeitsplätze werden an Schwerbehinderte vergeben.

Herr Meyer, wie haben Sie Ihren Job bei „Pedalkraft“ gefunden?

Ich habe 2012 schon mal in diesem Laden ein Praktikum gemacht, unter der damaligen Besitzerin. Das hat mir gut gefallen, aber der Laden hatte genug Personal und ich konnte nicht bleiben. Als Zukunft Arbeit den Laden übernommen hat, war das für mich ein Glücksfall.

Warum?

Ich habe es nicht so leicht auf dem ersten Arbeitsmarkt ohne Schutzglocke, denn ich bin ziemlich stressunverträglich. „Psychische Minderbelastbarkeit“ nennt sich das. Wenn ich Probleme habe und mir alles zu viel wird, muss ich mich aus der Arbeit kurz oder länger rausziehen können. Und das ist Gott sei Dank hier möglich – und auf dem ersten Arbeitsmarkt wäre es das nicht.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Ich bediene Kunden und mache Reparaturen. Wenn es eine größere Sache ist, bestelle ich Ersatzteile. Auch die Besprechungen mit Kollegen finde ich sehr wichtig. Und manchmal mache ich auch sauber und schmeiße die Kaffeemaschine an.

Wie arbeiten Sie am liebsten?

Ich arbeite gern im Team zusammen, aber ich liebe das auch, wenn ich meinen Raum habe und meine eigenen Gedanken zu einer Sache ein bisschen fließen lassen kann. Ich habe Tage, da läuft es super gut, überfliegermäßig gut. Dann gibt es aber auch Tage, da reißt es mich richtig runter. Dann muss ich mich rausziehen.

Was machen Sie wenn es zu stressig wird?

Ich laufe eine Runde um den Block oder setze mich mal hin. Oder ich mache eine andere Arbeit. Denn manchmal arbeitet man sich ja auch in Rage und beißt sich die Zähne aus. Dass das hier so gut geht für mich, ist der Grund warum ich glaube, dass ich hier noch lange Zeit sehr glücklich sein werde.

Haben Sie eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker gemacht?

Ja. Es hat sich aber schon während der Ausbildung gezeigt, dass das zu Problemen führen kann. Es fiel mir schwer, mir das Wissen anzueignen und die Thematik zu begreifen. Das technische Verständnis war gleich null. Ich bin ein visueller Mensch. Ich muss das alles sehen und lernen. Aus Büchern bin ich leider nicht so wirklich schlau geworden. Jetzt nach acht Jahren kann ich sagen: Es ist super, das ich damals den Weg eingeschlagen habe. Die anderen Sachen, die ich vorher gemacht habe, waren Stress pur für mich.

Was haben Sie denn früher beruflich gemacht?

Ich war in einer Filmfirma beschäftigt. Noch heute ist der PC mein bester Freund. Aber es war total stressig und man hat nur einen Appel und ein Ei verdient. Über eine simple Berufsfindung bin ich dann auf den Ausbildungsberuf zum Zweiradmechaniker gekommen. Und damit bin ich heute sehr glücklich.

Das Gespräch führten wir im Dezember 2019

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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