28.09.2020

Duale Studentin in der Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe: Laura Wendisch

„Ich kann im dualen Studium Theorie und Praxis verbinden“

Frau Wendisch, Sie studieren soziale Arbeit. Warum?
Ich wollte schon in meiner Jugend was Soziales machen, habe mit Babysitten angefangen und später 1,5 Jahre als Au pair in den USA gelebt. Ich habe schon früh mein eigenes Geld verdient und hätte ich damals schon etwas Soziales studiert, wäre das nur dual gegangen, aber das gibt es bei uns in Österreich nicht.

Sie kommen aus Österreich?
Ja, aus Vorarlberg am Bodensee. Ich bin extra fürs duale Studium nach Hamburg gekommen. Ich fühle mich super wohl und hatte es mir nicht so einfach vorgestellt, hier Fuß zu fassen, aber es war so.

Wie war Ihr beruflicher Weg bislang?
Mit 15 habe ich Bürokauffrau gelernt, dann habe ich beim österreichischen ADAC gearbeitet. Danach war ich als Au-pair in den USA. Zurück in Österreich habe ich ziemlich bald in einer Kleinkindbetreuung – vergleichbar mit einer deutschen Kita für 1- bis 4jährige – eine Umschulung zur Kleinkindbetreuerin gemacht.

Warum hängen Sie dann noch ein Studium dran?
In der Kleinkindbetreuung hat es mir sehr gut gefallen, aber mir haben intensivere Gespräche gefehlt, Konfliktgespräche, Arbeit mit älteren Kindern und jungen Erwachsenen. Da kam der Gedanke: Ich studiere soziale Arbeit, um herauszufinden mit welcher Altersgruppe ich arbeiten will.

Wie finanzieren Sie sich?
Ich habe ein Mobilitätsstipendium für Österreicher, die im Ausland studieren wollen und ich bekomme von der Alida Schmidt-Stiftung ein Ausbildungs-Gehalt minus der Studiengebühr, die von der Stiftung übernommen wird.

Warum machen Sie gerade ein duales Studium?
Weil ich Theorie und Praxis verbinden kann. Was ich in der Uni lerne, kann ich gleich in der Praxis umsetzen und gucken, ob ich es verstehe und ob es für mich passt.  Außerdem bin ich so ans echte Arbeiten gewöhnt, ich könnte keine Vollzeitstudentin sein.

Wie genau läuft das duale Studium ab?
In meinem Jahrgang an der IUBH (Internationale Hochschule) haben wir Montag und Dienstag Schule und Mittwoch bis Freitag bin ich bei der Arbeit. Immer im August und Februar haben wir zwei Wochen Prüfungsphase, dafür ist im März und September vorlesungsfrei und dann arbeiten wir 40 Stunden und nehmen unseren Urlaub. Das Studium geht über sieben Semester, also 3,5 Jahre.

Bei uns sind Sie im 2. Semester eingestiegen. Wieso?
Im 1. Semester war ich in der Schulbegleitung tätig. Da hat mir die Herausforderung gefehlt und ich hatte auch kein Team um mich.

Wie sind Sie auf die Stiftung gekommen?
Ich habe sie über google gefunden. Die Website hörte sich sehr interessant an und ich habe mich beworben. So bin ich vor einem halben Jahr in der Mutter-Kind-Einrichtung im Elbschloss gelandet.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Im Moment wohnen bei uns neun Klientinnen und ein Klient mit Kindern zwischen einem und sechs Jahren.
Ich bin sehr viel mit meinen Kolleginnen zusammen und lerne ihre Arbeit kennen. Ich darf auch bei Gesprächen mit den Klient*innen dabei sein. Und ich begleite Klient*innen zu Arztterminen, ich nehme ihnen manchmal die Kinder ab, und ich mache im Moment selbstständig das Frühstücksangebot.

Wie sind Sie im Team aufgenommen worden?
Alle waren sehr nett zu mir und achten darauf, dass ich viel lerne und möglichst oft beim Klient*innenkontakt dabei sein kann. Mit meiner Praxisanleiterin bespreche ich mich auch regelmäßig.

Ist das jetzt die Herausforderung, die Sie gesucht haben?
Die Frauen kommen zu uns mit einer Geschichte. Ihnen aufzuzeigen, wo ihre Schwierigkeiten sind und ihnen Tipps zu geben, wie sie es verbessern können und sich den Alltag einfacher machen können, das ist spannend für mich. Man muss einen Mittelweg finden, damit sie es annehmen.

Worum geht es im Studium im Moment?
Im Moment bin ich gerade in der Prüfungsphase. Bis vor kurzem hatte ich Klausuren, jetzt ist vorlesungsfrei und ich arbeite und muss auch noch Arbeiten für die Uni abgeben.  

Macht Ihnen das alles Spaß?
Ich lerne sehr viel. Ich kann wie erhofft die Theorie in der Praxis ausprobieren. Ein Beispiel: Wir haben eine Methode gelernt, wie wir Familiengeschichte analysieren. In der Einrichtung machen wir das mit der Methode „Zeitstrahl“, in der Uni haben wir ein Genogramm gelernt. Ich habe ausprobiert,  was für mich einfacher ist. Das eine geht schneller, das andere ist gründlicher, das war für mich interessant.

Was finden Sie besonders schön an der Arbeit, was weniger?
Eine Belastung war es am Anfang, dass man so viel Zeit zu Hause für die Uni investieren muss. Besonders vor den Prüfungen. Man muss sich einen guten Zeitplan machen, das musste ich lernen. Schwierige Situationen im Arbeitsalltag habe ich noch nicht selbst erlebt. Ich glaube aber dass ich mit meinen Arbeitskolleginnen über alles sprechen kann.
Schön ist, wenn man von den Klient*innen das Gefühl bekommt, dass man geholfen hat. Dass sie zufrieden waren mit den Gesprächen.
Insgesamt finde ich das duale Studium sehr gut. Man kann von allen Seiten lernen.

Warum sollen duale Student*innen ihren Praxisteil bei Alida machen?
Man wird einer Einrichtung zugeteilt wie ich dem Elbschloss, man bekommt aber die Möglichkeit, in die vielen anderen Einrichtungen der Stiftungen reinzugucken: ambulant, Suchthilfe, sogar Hauptverwaltung. Alle sind sehr nett und man kann von allen lernen.

Das Gespräch führten wir im September 2020.

 

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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