07.09.2020

Altenpflegerin im ambulanten Pflegedienst Norzel: Michaela Böhler

„Ich bin jetzt viel entspannter“

Frau Böhler, Sie sind von unserer stationären Pflegewohneinrichtung in unseren ambulanten Pflegedienst Norzel gewechselt. Warum?

Letztes Jahr im Sommer haben wir erfahren, dass die Pflegewohneinrichtung im Max Brauer Haus aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden muss. Da habe ich mir überlegt, dass ich trotzdem gerne in der Stiftung und in dem Haus bleiben möchte. Ich bin hier seit 7,5 Jahren als Altenpflegerin beschäftigt und arbeite einfach super gerne hier.  
Im Januar habe ich dann den Vertrag für den Pflegedienst unterzeichnet und bin wie gewünscht am Standort Max Brauer Haus eingesetzt. Ich habe mich gefreut, war aber auch traurig. Die stationären Kolleginnen und Kollegen, die Bewohnerinnen und Bewohner zurückzulassen, das war schwierig. Aber jetzt geht es mir richtig gut.

Was sind Ihre Aufgaben im Pflegedienst?

Man kann es nicht mit der stationären Pflege vergleichen. Die ambulante Pflege ist nicht so schwer und umfangreich. Wir helfen in den Wohnungen, machen viel Behandlungspflege, teilweise auch Grundpflege. Die Arbeit ist körperlich leichter, ich bin viel entspannter. Das gefällt mir sehr gut.

Was für Unterschiede zwischen stationär und ambulant stellen Sie noch fest?

Am Anfang war für mich der andere Kontakt ganz ungewohnt. In der Pflege ist er sehr eng, sehr persönlich, man ist physisch und psychisch sehr nah am Patienten, baut Beziehungen auf. Man sieht in der gleichen Schicht denselben Menschen immer wieder, die ganze Pflege ist intensiver und näher.

Ambulant ist man sich auch nah, aber anders. Wir unterstützen selbständige Menschen, die in den Wohnungen leben. Klar, man baut Beziehungen auf, freut sich auf ein Lächeln am Morgen und ein kleines privates Gespräch. Aber die Intensität ist anderes. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte.

Wie geht es Ihnen im Team?

Ich wurde ganz toll aufgenommen. Glücklicherweise kannte ich die fünf Kolleginnen ja auch schon, das war ein Vorteil.

Norzel ist der stiftungseigene Pflegedienst mit festen Standorten in drei Häusern. Empfinden Sie das als Vorteil?

Ja. Ich hätte keinen Pflegedienst gewählt, wo ich zu den Kunden auf der Straße im Auto oder auf dem Rad unterwegs bin. Ich stelle mir das sehr gehetzt vor, ständig unter Zeitdruck. Ich bin gerne nur hier im Haus unterwegs. Und ich kann z.B. im akuten Fall auch noch ein zweites Mal hingehen. Es ist entspannter.  

Noch eine Frage zu Ihrer Berufswahl. Warum sind Sie Altenpflegerin geworden? Was mögen Sie daran?

Ich hatte immer schon, schon als Kind, die Vorstellung: Ich werde mal Krankenschwester. Dann hatte ich aber von der Altenpflegeausbildung gehört. Mit 18 ging meine Ausbildung im Pflegeheim los und mittlerweile arbeite ich 37 Jahre in diesem Beruf.

Das Schöne für mich ist: Ich kümmere mich einfach gerne. Bedürfnisse zu sehen, zu helfen: Das ist wohl in mir drin. Das geht mir bis heute so.

Was raten Sie jungen Menschen: Altenpflege lernen ja oder nein?

Man muss sich die Entscheidung für einen Gesundheitsberuf sehr gut überlegen. Denn man muss sehr viel von sich geben, mehr als in anderen Berufen. Wegen der Arbeitszeiten und dem Schichtdienst muss man auf viel verzichten, auch der Partner und die Kinder. Das sollte man berücksichtigt. Es ist eine Entscheidung für einen Beruf, bei dem man viel mitbringen muss. Aber bei dem man auch viel zurückbekommt.

Dieses Gespräch führten wir im August 2020. 

 

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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