26.02.2019

Bundesfreiwilligendienst im Wilhelm Leuschner Seniorenzentrum: Guzal Abdukhamidova

„Jetzt weiß ich viel besser, in welche berufliche Richtung es gehen soll“

Guzal Abdukhamidova ist 19 Jahre alt und im Januar 2018 nach Schule, Abitur und einem langen Praktikum aus Usbekistan nach Hamburg gekommen, um als Au-pair zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit interessierte sie die Arbeit mit Senioren jedoch mehr und sie entschloss sich, als Bundesfreiwillige ins Wilhelm Leuschner Seniorenzentrum zu wechseln.

Frau Abdukhamidova, warum sind Sie als Bufdi zu uns ins Seniorenzentrum gekommen?

Weil ich alte Menschen mag! Ich war immer in Kontakt mit alten Menschen, denn sie sind in unserer Kultur sehr wichtig. Außerdem gibt es in Usbekistan sehr wenige Altenheime, deshalb wohnen die Großeltern, wenn sie alt werden, bei ihren Kindern. So war es auch bei uns zu Hause.

Und wie sind Sie auf unser Haus aufmerksam geworden?

Durch Zufall. Ich lebe bei meiner Tante, die hier ganz in der Nähe wohnt. Ich kam immer wieder an diesem Haus vorbei und überlegte, ob man hier wohl Bundesfreiwilligendienst machen kann. Bei einem Treffen mit der Leiterin erklärte die mir dann alles: Was meine Aufgaben hier sind, dass man mir hilft, wenn ich Dinge nicht weiß und dass es nicht schlimm ist, wenn man mal einen Fehler macht. Das war im Mai und im August konnte ich anfangen.

Was genau sind denn Ihre Aufgaben hier?

Bürotätigkeiten und Betreuungsarbeit. Ich arbeite viel am Computer und mit den Akten. Wenn zum Beispiel jemand einzieht oder auszieht, gebe ich die Daten ein. Außerdem ist es meine Aufgabe, den Bewohnern zu helfen, zum Beispiel mal für sie einzukaufen. Ich helfe auch den anderen Seniorenbetreuerinnen beim Basteln, bei der Deko und diesen Dingen. Außerdem bin ich bei den regelmäßigen Gruppenangeboten dabei: Am Montagvormittag spiele ich mit den Leuten Tischtennis. Am Dienstagnachmittag haben wir Malen, da bereite ich alles vor, wir malen gemeinsam und unterhalten uns dabei. Donnerstags ist Spielen, dadurch habe ich inzwischen schon viele deutsche Spiele kennengelernt. Ich kenne sie fast alle, ob Kartenspiele oder „Mensch ärgere dich nicht“!

Sehr vielfältig! Was mögen Sie denn davon am liebsten?

Am liebsten mag ich Tischtennis! Ein Bewohner aus dem Hausbeirat leitet diese Gruppe und wenn wir zusammen spielen, macht das sehr viel Spaß. Als ich herkam, konnte ich überhaupt nicht Tischtennis spielen. Die Leute haben mir dann gezeigt, wie es geht und nach zwei Monaten konnte ich es. Ich bin inzwischen richtig gut.

Gibt es auch Dinge, die Sie schwierig finden?

Ich finde es schwierig zu hören, wenn Bewohner mir erzählen, dass sie allein sind, dass niemand sie besucht. Wenn jemand weint, weil der Sohn, die Tochter oder die Enkelin nie kommt, fühle ich mich so schwer. Es sind nur wenige Leute, denen es so geht. Aber zum Glück kann ich mit meinen Kolleginnen darüber sprechen.

Sie sind ja Teil des Betreuungsteams. Sind Sie gut aufgenommen worden?

Ja, ich fühle mich als Teil des Teams. Manchmal bekomme ich Aufgaben zugeteilt, manchmal arbeiten wir zusammen. Wenn ich mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit bekomme, dann mache ich eins nach dem anderen. Wenn ein Gruppenangebot länger dauert, bleibe ich auch mal länger, dafür kann ich auch mal früher gehen, wenn nicht viel los ist.

Was ist denn Ihr persönliches Highlight gewesen bisher?

Ich mag die Feiern am liebsten! Unser Sommerfest war sehr schön, da haben wir sogar getanzt. Die Weihnachtsfeier war auch total schön. Ende August waren wir gemeinsam mit den Senioren in Grömitz, das hat mir auch gut gefallen.

Haben sich bislang insgesamt Ihre Erwartungen und Ziele erfüllt?

Ja. Als ich nach Deutschland kam, wusste ich noch nicht genau, was ich eigentlich beruflich machen möchte. Jetzt weiß ich viel besser, in welche Richtung es gehen soll, wo ich mich wohlfühle: im Betreuungsbüro. Ich mag es, mit den alten Menschen in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu sprechen. Als ich erst zwei Monate hier war, wusste ich schon, dass ich den Vertrag noch um sechs Monate verlängern möchte. Und das ist auch gerade genehmigt worden. Ich freue mich!

Haben Sie abschließend einen Rat für Unentschlossene, die mit dem Bundesfreiwilligendienst liebäugeln?

Wenn man in Richtung Betreuung oder Pflege gehen will, kann man es Schritt für Schritt ausprobieren. Man muss nicht gleich eine Ausbildung machen, die man dann vielleicht wieder abbricht. Man kann so herausbekommen, ob einem die Arbeit mit alten Menschen liegt.

Und auch merken, dass man von ihnen lernen kann, mit ihnen lachen kann?

Genau. Miteinander leben. Dieses Haus ist wie eine Familie, so sehe ich das.

Danke, Guzal, für dieses Gespräch, das wir im Januar 2019 geführt haben.

Kopfgrafik Alida Schmidt-Stiftung
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